Einführung

Klos­ter Wel­ten­burg wird all­jähr­lich von vie­len Zehn­tau­sen­den von Frem­den besucht. Was ist es, das die Frem­den hier anzieht? Die roman­ti­sche Land­schaft, das ehr­wür­di­ge, geschicht­li­che Alter, die viel­be­rühm­te Asam­kir­che. 

Erd­kund­lich ist das Wel­ten­bur­ger Land­schafts­bild ein Aus­schnitt des süd­lichs­ten Tei­les des frän­ki­schen Juras. Im seicht­grün­di­gen Jura­meer bau­ten in Jahr­mil­lio­nen Koral­len, Schwamm- und vie­ler­lei Mee­res­tier­chen die­se Fel­sen­rif­fe, die nach man­nig­fa­cher Umge­stal­tung zu den heu­ti­gen Fels­wän­den gewor­den sind. Die Was­ser­flu­ten der Donau und das Ein­wir­ken der Wit­te­rung haben wesent­lich dabei mit­ge­hol­fen. Zwi­schen Wel­ten­burg und Kel­heim zieht sich in meh­re­ren Win­dun­gen die Donau­schlucht durch abwechs­lungs­rei­che Kulis­sen aus stei­len, wald­ge­krön­ten Fels­wän­den hin­durch. Ein über­wäl­ti­gen­des Natur­pan­ora­ma von sel­te­nem Reiz. Auf Käh­nen und in Motor­schif­fen ist in den Som­mer­mo­na­ten stets Gele­gen­heit gebo­ten, sowohl donau­ab­wärts wie auch donau­auf­wärts die­ses wild­ro­man­ti­sche Durch­bruchs­tal auf sich wir­ken zu las­sen. 

Die Besied­lung die­ser Gegend reicht weit zurück in die vor­ge­schicht­li­che Zeit. Zahl­rei­che Fun­de geben Kun­de von einer dich­ten Bewoh­ner­schaft auf der Berg­schlei­fe süd­lich des Klos­ters: Arzberg oder Frau­en­berg genannt. Von der jün­ge­ren Stein­zeit an sind alle vor­ge­schicht­li­chen Zeit­ab­schnit­te nach­zu­wei­sen. Die noch erhal­te­nen Erd­wäl­le und Hügel­grä­ber wei­ter land­ein­wärts las­sen hier eine fes­te Flieh­burg der kel­ti­schen Volks­stäm­me ver­mu­ten. Als die römi­sche Reichs­gren­ze bis zur Donau reich­te, wur­de hier ein Grenz­pos­ten sta­tio­niert, der wohl mit dem Römer­kas­tell in Eining in enger Ver­bin­dung stand. Die ers­ten früh­ge­schicht­li­chen Spu­ren des Chris­ten­tums fan­den sich bei den Aus­gra­bun­gen 1917 auf dem soge­nann­ten Wein­berg zwi­schen Wel­ten­burg und Eining. Die dort gefun­de­nen eisen­ge­schmie­de­ten Kreu­ze wei­sen nach Dr. Rei­ne­cke (Mün­chen) auf die Zeit um 600 n. Chr. hin. Das ist die glei­che Zeit, die auch nach der klös­ter­li­chen Tra­di­ti­on als Grün­dungs­zeit für die ers­te Nie­der­las­sung iro­schot­ti­scher Kolum­ba­ner­mön­che (Eusta­ti­us, Agi­lus und Gefähr­ten) genannt wird. Das um 1047 geschrie­be­ne und noch erhal­te­ne Wel­ten­bur­ger Mar­ty­ro­lo­gi­um (Baye­ri­sches Haupt­staats­ar­chiv Mün­chen) zeigt in den lit­ur­gi­schen Ein­tra­gun­gen einen auf­fal­len­den Anschluß an den Kolum­ba­ni­schen Mönchs­kreis. St. Boni­fa­ti­us wan­del­te das Kolum­ba­ner­klos­ter Wel­ten­burg in ein Bene­dik­ti­ner­klos­ter um, wobei ihn der Bay­ern­her­zog Tas­si­lo III. unter­stütz­te. Bis zur Klos­ter­auf­he­bung 1803 wur­de des­halb Tas­si­lo III. als Stif­ter des Klos­ters gefei­ert. Wenn das Klos­ter in den dar­auf­fol­gen­den Jahr­hun­der­ten kul­tu­rell und kir­chen­po­li­tisch nie eine gro­ße Rol­le gespielt hat, so hat es doch auch sei­nen manch­mal recht dor­nen­vol­len Weg durch die Geschich­te gehen müs­sen mit ihren Kriegs­wir­ren (Ungarn­ein­fäl­le, Drei­ßig­jäh­ri­ger Krieg, Öster­rei­chi­scher Erb­fol­ge­krieg, Zwei­ter Welt­krieg), durch die Zei­ten mit ihren kir­chen­po­li­ti­schen und reli­giö­sen Aus­ein­an­der­set­zun­gen (Arnul­fs Klos­ter­raub, Inves­ti­tur­streit, Refor­ma­ti­on, Säku­la­ri­sa­ti­on), durch Jah­re mit wirt­schaft­li­chem Nie­der­gang und bit­te­rer Armut. Bischö­fe wie St. Rupert, Emmer­am, Wolf­gang, Cuno (1128) und Albert III. (1412) mit ihren Reform­ei­fer, Äbte wie Kon­rad von Kastl (1441/1450), Mat­thi­as Abe­lin (1626/59), Mau­rus Bächl (1713/1743) und Bene­dikt Wer­ner (1796/1803) mit ihrer vor­bild­li­chen Ordens­dis­zi­plin sei­en aus der Fül­le pro­vi­den­ti­el­ler Per­sön­lich­kei­ten des Donau­klos­ters mit Namen genannt. Am 18. März 1803 wur­de das Klos­ter säku­la­ri­siert. 1812 wur­de die Abtei­kir­che Pfarr­kir­che von Wel­ten­burg. Am 25. August 1842 wur­de es durch König Lud­wig I. als Prio­rat wie­der­errich­tet und 1913 wie­der Abtei. Der Bene­dik­ti­ner­or­den wur­de vom hl. Bene­dikt (480/547) als ein Mönchs­or­den mit teil­wei­se kon­tem­pla­ti­vem Cha­rak­ter gestif­tet. Das Leben in einer klös­ter­li­chen Gemein­schaft unter einem Abt, an wel­che sich der Mönch auf Lebens­zeit bin­det, das gemein­sa­me täg­li­che Got­tes­lob sowie ein bestimm­tes pas­to­ra­les Betä­ti­gungs­feld (Seel­sor­ge, Schu­le, Mis­si­ons­ar­beit) bestim­men die bene­dik­ti­ni­sche Wesen­art, die geformt wird von der reli­giö­sen Grund­hal­tung: Gott suchen und dem gefun­de­nen die­nen zu wol­len. Nur wer an den drei­fal­ti­gen Gott glaubt, ver­mag die stän­di­ge Zeit­ge­mäß­heit des bene­dik­ti­ni­schen Mönch­tums zu begrei­fen.