Geschichte des Klosters

Der über­lie­fer­ten Tra­di­ti­on zufol­ge errich­te­ten in Wel­ten­burg die Kolumban­schü­ler St. Eusta­si­us und St. Agi­lus aus Luxeuil um 617 ein iro­schot­ti­sches Klos­ter als Aus­gangs­punkt für die Mis­sio­nie­rung Bai­erns. Auch soll um 700 der hl Rupert die angeb­lich über einer heid­ni­schen Kult­stät­te (Miner­va-/Apol­lo­tem­pel) erbau­te Lieb­frau­en­kir­che auf dem Arzberg sowie die Klos­ter­kir­che kon­se­kriert haben. Grund­la­ge die­ser Klos­ter­tra­di­ti­on ist u.a. das häu­fig als Beweis­mit­tel her­an­ge­zo­ge­nen Mar­ty­ro­lo­gi­um, das heu­te im Baye­ri­schen Haupt­staats­ar­chiv in Mün­chen auf­be­wahrt wird. Es ist ver­mut­lich um 1047/49 in St. Emmer­am in Regens­burg ange­legt wor­den und nach 1100 nach Wel­ten­burg gelangt. Neu­er­dings wird die zuge­hö­ri­ge Illus­tra­ti­on auch als Ein­wei­sung des ers­ten Abtes von Prüll durch den hl. Bene­dikt gedeutet.

Erst­mals fass­bar wird Wel­ten­burg in der Lis­te der frän­ki­schen Reichs­klös­ter von 817, sofern das dar­in genann­te „Altem­burc“ mit Wel­ten­burg gleich­zu­set­zen ist. Wenn dem so ist, könn­te das Klos­ter tat­säch­lich – wie am Gewöl­be des Altar­raums der Kir­che abge­bil­det – durch den Agi­lo­fin­ger­her­zog Tas­si­lo III. geför­dert wor­den und nach des­sen Abset­zung 788 an Karl den Gro­ßen gefal­len sein.

Zwi­schen 907 und 913 braus­ten die Ungarn­stür­me auch über Wel­ten­burg hin­weg. Das Ergeb­nis war, dass 932 die ver­blie­be­nen Klos­ter­gü­ter der Ver­wal­tung des Regens­bur­ger Bischofs unter­stellt wur­den und die Abtei bischöf­li­ches Eigen­klos­ter wur­de. Die Erwäh­nung von „monachi“ und „cano­ni­ci“ in den ers­ten Wel­ten­bur­ger Tra­di­ti­ons­no­ti­zen lässt dar­auf schlie­ßen, dass das Klos­ter um die Mit­te des 10. Jahr­hun­dert wenigs­ten zeit­wei­lig auch mit Kano­ni­kern besetzt war. Erst der hl. Bischof Wolf­gang von Regens­burg (972–994), selbst Bene­dik­ti­ner, erweck­te das ver­öde­te Klos­ter wie­der zum Leben, indem er es mit Mön­chen aus St. Emmer­am, das durch die von Gor­ze beein­fluss­te Ram­wolds-Reform gestärkt war, bevöl­ker­te und zu des­sen Schutz den Frau­en­berg neu befes­tig­te. In der Fol­ge soll­te das Klos­ter St. Emmer­am in Regens­burg auch drei Äbte stel­len. Unter Abt Ber­nold (um 1100) konn­te der Klos­ter­be­sitz durch zahl­rei­che Schen­kun­gen beträcht­lich ver­grö­ßert werden.

Um so mehr über­rascht es, dass schon 1123 der Regens­bur­ger Bischof Hart­wich I. in das erneut dar­nie­der­lie­gen­de Klos­ter Augus­ti­ner-Chor­her­ren aus dem Stift St. Flo­ri­an bei Linz beru­fen muss­te, die sogleich die Kir­che restau­rier­ten. Doch konn­ten sich die Kano­ni­ker aus unbe­kann­ten Grün­den nicht lan­ge hal­ten. Bereits um 1128 wur­den sie an das neu­errich­te­te Chor­her­ren­stift St. Johann in Regens­burg abge­zo­gen. Die Bene­dik­ti­ner kehr­ten wie­der zurück und erhiel­ten zur bes­se­ren wirt­schaft­li­chen Absi­che­rung eini­ge (teil­wei­se schon vor­her von ihnen betreut) Pfar­rei­en der Umge­bung zuge­wie­sen: Strau­bing, Gmünd bei Kel­heim, Gög­ging, Poi­kam, Sitt­ling und Wolnz­ach. Dazu kamen in der 2. Hälf­te des 12. Jahr­hun­derts die Pfar­rei­en Rei­ß­ing und Holz­har­lan­den, sowie spä­ter Affecking und Unter­saal. Auch scheint sich damals das Klos­ter der Hir­sau­er Reform ange­schlos­sen zu haben, was jedoch in dem 1191 geweih­ten Kir­chen­bau nicht zum Aus­druck kam. Außer­dem las­sen eini­ge Anzei­chen ver­mu­ten, dass sich im 12. Jahr­hun­dert in Wel­ten­burg ein Dop­pel­klos­ter für Mön­che und Non­nen befand. Die Schutz­herr­schaft über das Klos­ter übten seit dem letz­ten Vier­tel des 11. Jahr­hun­derts die Her­ren von Wöhr aus, die sich aber 1261 an Wer­ner von Pray­ten­eck ver­lo­ren, von dem 1280 Bischof Hein­rich II. von Rot­ten­eck (1277–1296) die Vog­tei zurückkaufte.

Da das Klos­ter wie­der ein­mal in gro­ßer finan­zi­el­ler Not war, muss­te 1283 Abt Kon­rad II. sogar die Para­men­te ver­pfän­den, um die päpst­li­che Tür­ken­steu­er bezah­len zu kön­nen. Im 14. und zu Anfang des 15. Jahr­hun­derts wur­de Wel­ten­burg wegen sei­ner schlech­ten wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se wie­der­holt von welt­li­chen und geist­li­chen Admi­nis­tra­to­ren ver­wal­tet. Teil­wei­se muss­ten sich die Mön­che ihren Lebens­un­ter­halt sogar erbet­teln. Die Lage bes­ser­te sich unter Abt Kon­rad V., der 1441 mit eini­gen Mit­brü­dern aus dem Ober­pfäl­zer Reform­klos­ter Kastl nach Wel­ten­burg gekom­men war, so daß man nun auch dar­an gehen konn­te, Bau bzw. Aus­stat­tung der Klos­ter­kir­che und inkor­po­rier­ten Pfarr­kir­chen im spät­go­ti­schen Stil zu modernisieren.

Auch unter Abt Johan­nes II. Stör (1507–1535) erreich­te Wel­ten­burg einen beschei­de­nen Wohl­stand. Doch schon im August 1546, zu Beginn des Schmal­kal­di­schen Krie­ges, trie­ben kai­ser­li­che Hilfs­trup­pen aus Spa­ni­en Abt und Kon­vent in die Flucht und plün­der­ten das Klos­ter. Die dadurch ent­stan­de­ne erneu­te Ver­ar­mung zwang den 1553 bis 1556 regie­ren­den Abt Micha­el II. Heys­ler (Häus­ler) zum Ver­kauf wert­vol­ler Bücher aus der Klos­ter­bi­blio­thek, dar­un­ter auch ein dem skiz­zen­haf­ten Zei­chen­stil der Reim­ser Schu­le ver­wand­tes, wohl aber nicht in Wel­ten­burg, son­dern in St. Emmer­am in Regens­burg ent­stan­de­nes Evan­ge­li­ar der Karo­lin­ger­zeit (2. Vier­tel 9. Jahr­hun­dert), das heu­te in der Wie­ner Natio­nal­bi­blio­thek (Cod. 1234) auf­be­wahrt wird.

Abt Mat­thi­as Abe­lin (1626–1659), der Ver­fas­ser der 1643 erschie­nen Klos­ter­chro­nik, erhielt 1630 als ers­ter Wel­ten­bur­ger Abt das Recht der Pon­ti­fi­ka­li­en, wenn auch zunächst nur für sei­ne Per­son. Drei Jah­re spä­ter führ­ten ihn die zum zwei­ten Mal ein­ge­fal­le­nen Schwe­den in eine zehn­mo­na­ti­ge, schmach­vol­le Gefan­gen­schaft weg. Den deso­la­ten Zustand, in dem sich bei sei­ner Rück­kehr das Klos­ter nach den Plün­de­run­gen durch die Schwe­den, aber auch durch die kai­ser­li­chen Trup­pen befand, beschreibt Abt Mat­thi­as in einem Bericht vom 5. Okto­ber 1634 an Kur­fürst Maxi­mi­li­an I.: „… indem nembli­chen durch den feindt nit allain alle altär unnd khir­chen pro­pha­nirt, die glog­gen aufm thurm, alle khir­chen­zirdt, ornat und büecher, item alle hauß­vahr­nus an getraidt, rever­en­do roß, vich, zin, khup­fer, eisen­ge­schirr, pedt, lein­ge­wandt und aller­handt vic­tua­li­en ganz hün­wekh­kom­men unnd spo­liert, son­nern auch dass klos­ter an tachung guten theils abge­bro­chen, zer­schlaifft, ein und nie­der­ge­ris­sen, und das holz­werch zum schanz­pau )auf Befehl von Obertst Fried­rich von Ross) nach Kel­haim gefih­rt und ver­braucht worden.“

Unter Abt Johan­nes Ölha­fen (1667–1689) schloß sich Wel­ten­burg nach lan­gen Ver­hand­lun­gen 1686 der Baye­ri­schen Bene­dik­ti­ner­kon­gre­ga­ti­on an. Doch droh­te das Klos­ter nun vor allem an der Dis­zi­plin­lo­sig­keit des Kon­vents zugrun­de zu gehen. Nach sei­nem Sturz 1689 trat Abt Johan­nes aus dem Klos­ter aus, des­glei­chen tat 1696 der seit 1691 regie­ren­de Abt Igna­ti­us Sen­ser, um spä­ter in Würt­tem­berg vor­über­ge­hend als pro­tes­tan­ti­scher Pfar­rer zu wir­ken. Auch sein Nach­fol­ger Abt Cor­bi­ni­an Win­hart (1696–1708), unter des­sen Inte­rims­ver­wal­tung bereits die Pla­nung eines Klos­ter­neu­baus lief, muss­te unter dem Druck des Kon­vents resi­gnie­ren. Schließ­lich woll­te man nach dem jähen Tod von Abt Augus­tin Mayr 1711, einem ehem. Kon­ven­tua­len von Sche­yern, kei­ne neue Abts­wahl mehr durch­füh­ren, bis das neue Klos­ter errich­tet sei, und setz­te des­halb Pri­or Mau­rus Aicher als Admi­nis­tra­tor ein; doch auch die­ser Weg wur­de bald aufgegeben.

Sei­ne Ret­tung und den heu­ti­gen Ruhm ver­dankt Wel­ten­burg Mau­rus Bächel. Am 14. April 1668 in Rötz in der Ober­pfalz als Sohn eines Schmieds gebo­ren, besuch­te er spä­ter die Schu­le der Augus­ti­ner-Ere­mi­ten in Schön­thal, um dann in Prag Phi­lo­so­phie zu stu­die­ren. Am 15. Janu­ar leg­te er im Bene­dik­ti­ner­klos­ter Frau­en­zell sei­ne Pro­feß ab, wo er drei Jah­re danach zum Pries­ter geweiht wur­de und schließ­lich zum Pri­or auf­stieg. Ab 1711 lei­te­te er als Pri­or und Vize­ad­mi­nis­tra­tor der Abtei Ens­dorf den dor­ti­gen Bau von Klos­ter und Kir­che, wobei er auch die Gebrü­der Asam ken­nen und schät­zen lern­te. Sei­ne vor­bild­li­che Wirt­schafts­füh­rung die­ses an Erträ­gen ärme­ren Klos­ters als Wel­ten­burg mach­ten Mau­rus Bächel für die schwie­ri­gen Auf­ga­ben in Wel­ten­burg prä­de­sti­niert. Gleich­zei­tig fun­gier­te er als Sekre­tär der Baye­ri­schen Bene­dik­ti­ner­kon­gre­ga­ti­on. Bevor er am 13. Febru­ar 1713 im drit­ten Wahl­gang zum Abt von Wel­ten­burg gewählt wur­de, hat­te er sich schon 1707 anläß­lich einer außer­or­dent­li­chen Visi­ta­ti­on, 1709 (wie 1713 wie­der) als Zeu­ge der Abts­wahl und bei der Klos­ter­vi­si­ta­ti­on 1711 in die­sem Donau­klos­ter auf­ge­hal­ten und kann­te somit auch des­sen Schwie­rig­kei­ten. Im Ver­trau­en dar­auf, dass die ihm von höchs­ter Stel­le zuge­sag­te finan­zi­el­le Unter­stüt­zung gewährt wür­de, nahm er schließ­lich die Wahl an. Noch im glei­chen Jahr ließ er die Frau­en­berg­ka­pel­le neu errich­ten, um eine Aus­weich­mög­lich­keit wäh­rend des Neu­baus der Klos­ter­kir­che zu haben. Dann folg­te der Bau von Klos­ter und Kir­che, deren Aus­stat­tung sich aber noch bis zu Jahr­hun­dert­mit­te hin­zog. Dazu kamen die Neu­ge­stal­tung von inkor­po­rier­ten Pfarr­kir­chen, Pfarr­häu­sern und Wirt­schafts­hö­fen, sowie die Errich­tung einer Müh­le und einer Schu­le. Außer­dem gelang es Abt Mau­rus I., zur wirt­schaft­li­chen Absi­che­rung des Klos­ters die Hof­mark Affecking käuf­lich zu erwer­ben. Schwe­re Rück­schlä­ge erlitt Wel­ten­burg durch den öster­rei­chi­schen Erb­fol­ge­krieg, in des­sen Ver­lauf u.a. auch öster­rei­chi­sche Trup­pen im April 1742 im Klos­ter ein­quar­tiert wur­de, wodurch eine Krank­heit ein­ge­schleppt wur­de, an der auch vier Mön­che star­ben. Durch die hohen Kriegs­ab­ga­ben ent­mu­tigt, reich­te Abt Mau­rus Bächel 1743 über­ra­schend beim Hei­li­gen Stuhl sein Rück­tritt­ge­such ein, dem auch statt­ge­ge­ben wur­de. Noch sechs Jah­re leb­te er in Wel­ten­burg, bis er am 20. April 1749 im Alter von 81 Jah­ren verschied.

Sein Nach­fol­ger Abt Mau­rus II. Kam­mer­mai­er (1744–1777) gilt als der eigent­li­che Begrün­der der Klos­ter­bi­blio­thek, wenn er hier­bei auch bis­wei­len über ein gesun­des Maß hin­aus­schoß. 1762 ließ er auch ein Anti­qua­ri­um anle­gen, fünf Jah­re spä­ter kauf­te er meh­re­re mathe­ma­ti­sche und phy­si­ka­li­sche Instru­men­te. Unter Abt Rupert Walx­häu­ser (1778–1786) erreich­te das Musik­le­ben Wel­ten­burg dank der Patres Pla­zi­dus Reit­ho­fer, Wolf­gang Kling­ei­sen, Ilde­phons Hefe­le, Mau­rus Pau­li und Ben­no Gru­e­ber eine ein­zig­ar­ti­ge Blü­te. Gera­de der letzt­ge­nann­te, äußerst talen­tier­te Mönch mach­te durch sei­ne Ver­to­nun­gen von Thea­ter­stü­cken weit­hin von sich reden: So wur­de zum Bei­spiel 1791 sein Stück „Die guten Unter­ta­nen“, zu dem Abt Rupert Korn­mann aus Prü­fe­ning den Text ver­fasst hat­te, auf der Büh­ne des Fürs­ten von Thurn und Taxis in Regens­burg, im Semi­nar zu Mün­chen in Anwe­sen­heit von Kur­fürst Karl Theo­dor und in meh­re­ren Klös­tern unter gro­ßem Bei­fall auf­ge­führt. Als exem­pla­risch in ihrer Lehr­me­tho­de wur­de am 31. Mai 1783 vom Münch­ner Intel­li­genz­blatt die Wel­ten­bur­ger Klos­ter­schu­le geprie­sen, was die stän­dig stei­gen­de Schü­ler­zahl erklärt. Unter Abt Rupert Walx­häu­ser tra­ten zwei Über­schwem­mun­gen 1778 und beson­ders 1784 das Klos­ter emp­find­lich, die sogar noch einen grö­ße­ren Scha­den anrich­te­ten als die Hoch­was­ser von 1750 und 1769: Die Gar­ten­mau­er war auf wei­te Stre­cken umge­wor­fen; die Klos­ter­ge­bäu­de stan­den bis zum ers­ten Stock, die Kir­che bis über die Sei­ten­al­tä­re unter Was­ser; ein Groß­teil der Vor­rä­te war unbrauch­bar geworden.

Mit Abt Bene­dikt Wer­ner über­nahm 1786 ein hoch­ge­bil­de­ter, viel­sei­ti­ger Mann die Lei­tung des Klos­ters. Durch öko­no­mi­sches Geschick und straf­fe Buch­füh­rung konn­te er die Abtei in kur­zer Zeit auf eine soli­de wirt­schaft­li­che Grund­la­ge stel­len. Wegen der hohen Abga­ben wäh­rend der Koali­ti­ons­krie­ge, fast 12 000 Gul­den zwi­schen 1796 und 1801, wur­de aller­dings die­se posi­ti­ve Ent­wick­lung wie­der gebremst. Seit 1799 Ver­ord­ne­ter der Land­schaft, kämpf­te Abt Bene­dikt ver­bis­sen mit den übri­gen Prä­la­ten gegen die Ver­ein­nah­mung von Klos­ter­be­sitz durch den Staat, doch ver­ge­bens: Schon 1800/1801 wur­de das Kir­chen­sil­ber kon­fis­ziert. Am 5. Novem­ber 1802 eröff­ne­te der Geist­li­che Rat Aich­ber­ger dem ver­sam­mel­ten Kon­vent die kur­fürst­li­che Ver­ord­nung, nach der kei­ne Novi­zen auf­ge­nom­men wer­den durf­ten und alle welt­li­chen Klos­ter­an­ge­stell­ten zu Staats­be­diens­te­ten wurden;den bis­he­ri­gen Klos­ter­rich­ter Franz Mair ver­ei­dig­te er als kur­fürst­li­chen Admi­nis­tra­tor des Klos­ters, der nun­mehr anstel­le des Abtes die Geschäf­te zu füh­ren hat­te. Aich­ber­ger blieb bis zum 25. Novem­ber 1802 in Wel­ten­burg, um die Finan­zen des Klos­ters zu über­prü­fen und eine Bestands­auf­nah­me des Klos­ter­in­ven­tars zu machen. Sogar die Kor­re­spon­denz des Abtes wur­de auf ver­däch­ti­ges Mate­ri­al hin unter­sucht, wes­we­gen die­ser zur bes­se­ren Abwick­lung für eini­ge Tage sei­ne Pri­vat­zim­mer räu­men musste.

Die end­gül­ti­ge Auf­he­bung des Klos­ters und Inbe­sitz­nah­me durch den Lan­des­herrn erfolg­te am 18. März 1803: Als Lokal­kom­mis­sär war der Kel­hei­mer Gerichts­schrei­ber Wolf­gang Schwar­zer ein­ge­setzt, der als Freund des Klos­ters die aller­höchs­ten Befeh­le, soweit es ihm mög­lich war, abzu­mil­dern ver­such­te. Schon am 19. April wur­de das Vieh ver­stei­gert, dann kamen das Mobi­li­ar und Haus­ge­rät, schließ­lich die Klos­ter­gü­ter an die Rei­he. Die wert­volls­ten Bücher, Archi­va­li­en, Kunst­ge­gen­stän­de und übri­gen Samm­lungs­ob­jek­ti­ve gelang­ten in Staats­be­sitz nach Mün­chen, Lands­hut und Strau­bing. Da sich die Wel­ten­bur­ger Mön­che, außer dem Abt zehn Patres und ein Fra­ter, mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit für die Auf­ga­be der Klos­ter­ge­mein­schaft aus­spra­chen, erhiel­ten sie Mit­te Juli 1803 vom Bischöf­li­chen Ordi­na­ri­at in Regens­burg eine Dis­pens und ver­lie­ßen, mit einer schma­len Pen­si­on ver­se­hen, das Klos­ter. Dar­auf­hin ent­schloß sich auch Abt Bene­dikt Wer­ner, der als ein­zi­ger dage­gen gestimmt hat­te, zum Fort­zug aus Wel­ten­burg; in der Nacht vom 19. auf den 20. Okto­ber 1803 fuhr er mit dem Rei­se­wa­gen, einem Abschieds­ge­schenk Schwar­zers, nach Mün­chen. Dort leb­te er bis zu sei­nem Tod am 20. Okto­ber 1830 und ver­fass­te unter ande­rem die heu­te in der Baye­ri­schen Staats­bi­blio­thek (Cgm 1844–67) auf­be­wahr­te Geschich­te des Klos­ters Wel­ten­burg in 24 Büchern (1806–1816) sowie eine neun­bän­di­ge Musik­ge­schich­te in latei­ni­scher Spra­che (1814–1824).Schon 1805 hat­te er der land­schaft­li­chen Kanz­lei des Unter­lan­des sei­ne Samm­lung aller baye­ri­schen Land­ta­ge und Pos­tu­la­te, 245 Foli­o­bän­de mit ins­ge­samt 97857 Sei­ten, über­las­sen; ab 1827 schenk­te er dem Frei­sin­ger Pries­ter­se­mi­nar sei­ne Pri­vat­bi­blio­thek, zusam­men 3257 Bän­de, wofür ihm König Lud­wig I. den Titel eines Gehei­men Geist­li­chen Rates ver­lieh. Da Kir­che und Klos­ter von Wel­ten­burg kei­nen Käu­fer fan­den, wur­den 1812 in einem Teil der leer­ste­hen­den Gebäu­de der Pfarr­hof, eine Schu­le und eine Leh­rer­woh­nung ein­ge­rich­tet; die Klos­ter­kir­che erhielt anstel­le des Got­tes­hau­ses in Strau­bing den Sta­tus einer Pfarr­kir­che und wur­de so vor dem Ver­fall gerettet.

Trotz erheb­li­cher Schwie­rig­kei­ten gelang es König Lud­wig I. von Bay­ern, wie im Kon­kor­dat von 1817 vor­ge­se­hen, eini­ge säku­la­ri­sier­te Klös­ter wie­der­zu­be­le­ben. An sei­nem Namens­tag, dem 25. August 1842, wur­de von der Bene­dik­ti­ner­ab­tei Met­ten aus das Klos­ter Wel­ten­burg als selb­stän­di­ges Prio­rat wie­der­eröff­net, mit einer ansehn­li­chen Dota­ti­on für die Repa­ra­tur des Klos­ters und den Rück­kauf frü­he­rer Lie­gen­schaf­ten, dar­un­ter auch der Braue­rei, aus­ge­stat­tet. Der Regens­bur­ger Bischof Valen­tin von Rie­del über­trug dem Klos­ter die Seel­sor­ge der Pfar­rei Wel­ten­burg und ihrer Filia­len. Im Jah­re 1858 tag­te in Wel­ten­burg das ers­te Gene­ral­ka­pi­tel der wie­der­errich­te­ten Baye­ri­schen Bene­dik­ti­ner­kon­gre­ga­ti­on. 1904 grün­de­te das Klos­ter eine Land­wirt­schafts­schu­le, die bis auf eine Unter­bre­chung wäh­rend der NS-Herr­schaft bis 1972 bestand. Der seit 1903 amtie­ren­de Pri­or Mau­rus Wein­gart wur­de 1913 zum Abt erho­ben. Ein Jahr spä­ter konn­te er das Klos­ter­gut Buch­hof zurück­erwer­ben, das zum ers­ten Mal schon unter Abt Her­wig (um 1300) an Wel­ten­burg gekom­men war. Von 1923 bis 1968 lei­te­te das Klos­ter Abt Emmer­am Gilg, dem unter ande­rem auch die bei­den Restau­rie­run­gen der Klos­ter­kir­che 1928–1931 und 1960–1962 zu ver­dan­ken sind. Dann folg­te eine acht­jäh­ri­ge Admi­nis­tra­tur unter P. Wolf­gang Schmid und P. Tho­mas Niggl. Letz­te­rer war 1976–1995 Abt. 1995 wur­de P. Tho­mas M. Freihart aus der Abtei Plank­stet­ten zum Pri­or-Admi­nis­tra­tor gewählt.

Den Erfor­der­nis­sen der Gegen­wart ent­spre­chend sieht die Bene­dik­ti­ner­ab­tei Wel­ten­burg heu­te ihre Haupt­auf­ga­be in der Seel­sor­ge und Erwach­se­nen­bil­dung. In dem neu­aus­ge­stat­te­ten Haus der Begeg­nung St. Georg wer­den Tagun­gen, Kur­se und Exer­zi­ti­en abge­hal­ten. Die Musik­tra­di­ti­on Wel­ten­burgs lebt in den von der „Wel­ten­bur­ger Musik­ge­mein­schaft“ ver­an­stal­te­ten Kir­chen­kon­zer­ten fort, bei denen auch immer wie­der Wer­ke von P. Ben­no Gru­e­ber auf­ge­führt werden.